Warum fällt es uns so schwer, wirklich zur Ruhe zu kommen?
Du hast endlich Zeit. Eigentlich könntest du entspannen. Und trotzdem ist dein Körper noch ganz woanders.
Der Tag ist vorbei. Du sitzt auf dem Sofa, vielleicht mit einer Tasse Tee neben dir. Niemand braucht gerade etwas von dir.
Und trotzdem bist du nicht ruhig.
Du greifst noch einmal zum Handy. Denkst an morgen. Dein Kiefer ist fest. Die Schultern sind angespannt. Vielleicht bist du müde und gleichzeitig innerlich unruhig.
Wir erwarten oft, dass unser Körper sofort umschaltet, sobald der Kalender leerer wird.
So funktioniert unser Nervensystem aber nicht.
Ruhe und Entspannung sind nicht dasselbe
Du kannst still auf dem Sofa sitzen und trotzdem unter Spannung stehen.
Du kannst im Urlaub sein und die ersten Tage brauchen, bis du merkst, dass du wirklich angekommen bist.
Du kannst eine Yogastunde besuchen und feststellen, dass ausgerechnet die Schlussentspannung der schwierigste Teil für dich ist.
Äußere Ruhe bedeutet noch lange nicht, dass sich auch dein Körper ruhig anfühlt.
Unser Nervensystem reagiert auf das, was wir über den Tag erleben. Termine, Geräusche, Nachrichten, Konflikte, Zeitdruck, ständige Erreichbarkeit. Auch schöne Dinge können viel sein.
Wenn der Körper über Stunden immer wieder aktiviert wird, verschwindet diese Aktivierung nicht in dem Moment, in dem wir die Haustür hinter uns schließen.
Warum „Jetzt entspann dich doch mal“ selten hilft
Entspannung lässt sich schwer anordnen.
Vielleicht kennst du das aus einer Yogastunde. Du liegst in Savasana und hörst: „Lass jetzt alles los.“
Und dein erster Gedanke ist: Wie denn?
Manchmal macht genau dieser Anspruch noch mehr Druck.
Ich finde es deshalb viel interessanter, zunächst wahrzunehmen, was gerade da ist.
Ist mein Atem schnell oder ruhig?
Spüre ich den Boden unter mir?
Wo halte ich fest?
Möchte mein Körper gerade überhaupt still liegen oder würde ihm Bewegung guttun?
Damit beginnt Körperwahrnehmung.
Nicht mit dem Versuch, einen bestimmten Zustand herzustellen. Sondern mit dem Spüren dessen, was gerade da ist.
Dein Körper braucht manchmal einen Übergang
Wir wechseln heute innerhalb weniger Minuten zwischen völlig unterschiedlichen Situationen.
Du schließt den Laptop und fünf Minuten später sitzt du beim Abendessen. Nach einem vollen Arbeitstag steigst du ins Auto und holst die Kinder ab. Du beantwortest noch schnell eine Nachricht, während du schon im Bett liegst.
Dem Körper fehlt dabei oft der Übergang.
Früher war dieser Übergang manchmal automatisch da. Der Weg nach Hause. Ein Spaziergang. Das Fahrrad. Ein paar Minuten ohne Bildschirm.
Heute nehmen wir den ganzen Tag mit bis aufs Sofa.
Deshalb kann es helfen, dem Körper bewusst zu zeigen: Dieser Teil des Tages ist vorbei.
Das muss keine halbe Stunde Meditation sein.
Manchmal reichen ein paar Minuten.
Bewegung kann der erste Schritt in die Ruhe sein
Wenn viel Spannung im Körper steckt, fühlt sich stilles Sitzen nicht für jeden gut an.
Dann darf zuerst Bewegung kommen.
Die Schultern kreisen. Die Arme ausschütteln. Sich einmal richtig strecken. Durch den Raum gehen. Den Oberkörper drehen. Die Hände aneinanderreiben.
Auch Yoga kann genau diesen Übergang schaffen.
Bewegung gibt uns die Möglichkeit, den Körper wahrzunehmen und Spannung nicht nur gedanklich loswerden zu wollen.
Danach fühlt sich Ruhe oft anders an.
Und dann ist da noch dein Atem
Der Atem begleitet uns sowieso den ganzen Tag.
Wir müssen dafür nichts vorbereiten und keine Yogamatte ausrollen.
Allein wahrzunehmen, wie du gerade atmest, verändert deinen Fokus.
Wo spürst du deinen Atem?
Im Brustkorb? Im Bauch? In den Rippen?
Ist deine Ausatmung kurz oder darf sie etwas länger werden?
Bei Breathwork arbeiten wir sehr bewusst mit dem Atem. Im Alltag muss daraus aber nicht jedes Mal eine Atemübung werden.
Manchmal sind drei bewusste Atemzüge genug, um wieder mitzubekommen: Ich bin hier.
Vielleicht brauchst du nicht mehr Ruhe, sondern einen anderen Umgang mit dir
Für mich gehört zur Nervensystemregulation deshalb viel mehr als Entspannung.
Es geht auch darum, den eigenen Körper besser kennenzulernen.
Zu merken, wann etwas zu viel wird.
Zu wissen, was mir hilft, wenn ich angespannt bin.
Und zu akzeptieren, dass das nicht jeden Tag gleich aussieht.
An einem Tag tut eine ruhige Yogapraxis gut. An einem anderen möchte dein Körper sich bewegen. Manchmal hilft der Atem. Und manchmal möchtest du eine Runde draußen laufen und danach früh ins Bett.
Je besser wir unseren Körper wahrnehmen, desto weniger müssen wir raten.
Zur Ruhe kommen beginnt oft schon früher am Tag
Vielleicht müssen wir nicht erst abends auf dem Sofa versuchen, alles aufzufangen, was sich seit morgens angesammelt hat.
Wir können zwischendurch kurz wieder bei uns einchecken.
Beim Warten an der Kaffeemaschine.
Nach einem Gespräch.
Bevor wir die nächste Aufgabe anfangen.
Für einen Moment die Füße auf dem Boden spüren. Den Kiefer lösen. Einmal ausatmen.
Nicht als neue Routine, die du jeden Tag perfekt machen musst.
Sondern als kleine Erinnerung an deinen Körper.
Denn manchmal beginnt Ruhe genau dort.
Nicht erst, wenn endlich nichts mehr zu tun ist.
Sondern in dem Moment, in dem du wieder merkst, wie es dir gerade wirklich geht.
Du möchtest das nicht nur lesen, sondern im Körper erfahren?
In meinem Yin Stress Release Yoga in Bayreuth nehmen wir uns bewusst Zeit, aus der Anspannung herauszukommen. Mit ruhigen Yin Positionen, Atem und Körperwahrnehmung entsteht Raum, um wieder mehr bei dir anzukommen.



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